Es ist eventuell schon aufgefallen: Ich habe aktuell grundsätzlich etwas mit Pädagogik im weitesten Sinne zu tun. Das kommt daher, dass ich momentan im dritten Semester Erziehungs- und Bildungswissenschaften studiere, um einen Plan B parat zu haben, sollte ich in den nächsten Jahren körperlich in meinem Beruf nicht mehr zurecht kommen. Aus diesem Grund werden hier die Zusammenfassungen, die ich für potentielle Klausuren brauche veröffentlicht. Alles ohne Gewähr, aber gerne frei zu verwenden.
Im ersten Kapitel von Heinz-Hermann Krügers „Einführung in die Erziehungs- und Bildungswissenschaft“ geht es um die Notwendigkeit, sich mit Theorie und Forschung zu beschäftigen.
Zunächst wird die Frage gestellt, warum man überhaupt Erziehungswissenschaft studieren sollte. In einer Umfrage unter Studierenden gaben die meisten an, dass sie später „etwas mit Menschen machen“ wollen. Das Interesse an Theorien und Forschung ist zu Beginn des Studiums meist noch nicht sehr ausgeprägt, wobei viele Studierende eher eine Sammlung von Handlungsanweisungen für die spätere Praxis erwarten. Pädagogisches Handeln kann jedoch nicht in rezeptförmigen Anweisungen bestehen. Hans-Christoph Koller liefert hierfür drei Argumente:
- Erstens gibt es im pädagogischen und bildungspolitischen Diskurs viele verschiedene und teils kontroverse Ansichten. Um diese Konzepte selbständig und kritisch beurteilen zu können, ist die Beschäftigung mit Theorien wichtig.
- Zweitens sind die Situationen und Menschen, mit denen Pädagog*innen konfrontiert sind, immer einzigartig. Pädagogische Handlungskompetenz beinhaltet daher auch die Fähigkeit, das Fachwissen auf je besondere pädagogische Situationen zu beziehen. Für diese hermeneutische Kompetenz ist die Auseinandersetzung mit Theorien unerlässlich.
- Drittens ist pädagogisches Handeln zukunftsbezogen. In 30 bis 40 Jahren werden sich die Adressaten pädagogischen Handelns und die pädagogischen Situationen stark verändert haben. Daher müssen Pädagog*innen in der Lage sein, ihr Wissen auf sich verändernde Situationen zu transferieren und kritisch weiterzuentwickeln.
Insgesamt kann man eine Einführung in die Theorien und Forschungsergebnisse der Erziehungswissenschaft als eine Art Reiseführer betrachten, der die Studierenden auf die Geschichte, die zentralen Konzepte und die Methoden des Fachs vorbereitet.
Wissenschaft und pädagogische Berufspraxis folgen sehr unterschiedlichen Regeln. Praktisches Denken und Handeln ist anders als wissenschaftliches Denken und Handeln. Wissenschaftliches Denken muss im Gegensatz zu alltagsweltlichem Denken stark begründet werden. In der Praxis müssen Entscheidungen unter Handlungsdruck getroffen werden. In der Wissenschaft geht es um ausführliche Begründungen über Theorien und empirische Forschung. Das Verhältnis von Theorie und Praxis in der Pädagogik ist problematisch, weil die Pädagogik gleichzeitig über die Erziehungswirklichkeit reflektieren und Handlungsalternativen für die Praxis bereitstellen soll, aber keine direkten Handlungsanweisungen geben kann.
Im weiteren Verlauf des Kapitels wird zunächst auf die Begriffe Pädagogik, Erziehungswissenschaft und Bildungswissenschaft eingegangen. Der Begriff der Pädagogik wurde bereits im antiken Griechenland verwendet und bezog sich auf die Tätigkeit des Pädagogen. Der Begriff der Erziehungswissenschaft tauchte erst im 18. Jahrhundert im Zuge der Aufklärung auf. Der Begriff der Bildungswissenschaft wird erst seit dem letzten Jahrzehnt verwendet und bezieht sich auf die Entgrenzungsprozesse von Bildung über den gesamten Lebenslauf.
Danach wird auf die Erziehungswissenschaft als Disziplin eingegangen. In der Wissenschaftsforschung umfasst dieser Begriff drei Bedeutungskomponenten:
- kognitive Strukturen: das im Fach Erziehungswissenschaft erzeugte Wissen
- soziale Strukturen: die Voraussetzungen für Forschung und Lehre im Fach Erziehungswissenschaft
- Medien der Kommunikation: Fachzeitschriften, Fachlexika und Lehrbücher, aber auch Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft
Im nächsten Abschnitt wird die Frage gestellt, was Wissenschaft ist. Der Soziologe Rudolf Stichweh definiert Wissenschaftsdisziplinen als Forschungsgemeinschaften mit gemeinsamen Problemstellungen, Forschungsmethoden und Kommunikationsmechanismen. Aus wissenschaftstheoretischer Sicht kann man nach dem Zustandekommen und der Geltung von wissenschaftlichen Aussagen fragen. Laut Elisabeth Ströker ist die Suche nach Wahrheit eine grundlegende Bedingung wissenschaftlichen Forschens. Für sie ist der Anspruch, Erkenntnis durch rationale, intersubjektiv nachvollziehbare Methoden zu erreichen, zentral. Andere Autoren bezweifeln jedoch, dass man von einer Einheit der Wissenschaft sprechen kann. Schließlich wird die Frage, was Wissenschaft ist, auch aus historischer Perspektive gestellt. Der Wissenschaftshistoriker Thomas S. Kuhn beschäftigte sich mit wissenschaftlichen Revolutionen. Seiner Ansicht nach sind Entwicklungen in den Wissenschaften nicht nur von wissenschaftlichen Kriterien abhängig, sondern auch von soziokulturellen Faktoren. Radikale Veränderungen in der Wissenschaft, die die Deutung von Welt und Wissenschaft verändern, bezeichnet Kuhn als Paradigmenwechsel. Beispiele für solche Paradigmenwechsel sind das heliozentrische Weltbild von Kopernikus, die Evolutionstheorie von Darwin und die Relativitätstheorie von Einstein. Solche Paradigmenwechsel lassen sich auch für die Erziehungswissenschaft aufzeigen, beispielsweise in der aufklärerischen Pädagogik im Vergleich zur pietistischen Pädagogik.
Der letzte Abschnitt des Kapitels beschäftigt sich mit unterschiedlichen Wissensformen in der Erziehungswissenschaft. Die Wissenschaftsforschung unterscheidet zwischen drei verschiedenen Wissensformen:
- pädagogisches Alltagswissen: das, was jeder über Erziehung und Bildung sagen kann
- pädagogisches Professionswissen: das Wissen von in pädagogischen Berufen Tätigen
- wissenschaftliches Wissen: bezieht sich auf Forschung und die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Theorien
Das zweite Kapitel von Heinz-Hermann Krügers „Einführung in die Erziehungs- und Bildungswissenschaft“ befasst sich mit der historischen Herausbildung der Disziplin.
Die Geschichte der Erziehung ist zwar so alt wie die Menschheit selbst, da die Bearbeitung der Generationenfolge schon immer zu Entwicklungs- und Kulturgeschichte des Menschen gehörte, erste schriftliche Zeugnisse über pädagogische Reflexionen gibt es aber erst aus der Zeit der griechischen Antike. In der Philosophie, Anthropologie und Pädagogik der griechischen Antike, z.B. bei Platon und Aristoteles, werden Fragestellungen einer neuzeitlichen Bildungsphilosophie bereits antizipiert. Der Mensch wird als Produkt seiner eigenen Praxis betrachtet, losgelöst von den Bedingungen und Mythen der archaischen Zeit gefasst und nach seiner Bestimmung gefragt. Auch wurden seit der Gründung erster Universitäten im Mittelalter sowie der punktuellen Etablierung von höheren Schulen für die städtischen Oberschichten im 16. Jahrhundert die modernen Erziehungsverhältnisse bereits antizipiert. Dennoch gibt es in der bildungshistorischen Forschung einen Konsens darüber, dass mit der Herausbildung der modernen Gesellschaft im 18. Jahrhundert zugleich eine einschneidende Zäsur im pädagogischen Denken und teilweise auch in der Erziehungsrealität einsetzt. Die Pädagogik und das Erziehungsdenken in der Zeit der Aufklärung legen die ideellen Wurzeln für die Begründung einer nachständischen, am bürgerlichen Leben orientierten Erziehung.
Im Prozess der Ausdifferenzierung der Wissenschaften entsteht im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts die Erziehungswissenschaft als Disziplin. So wurde 1779 die erste Professur für Pädagogik in Deutschland an der Universität Halle mit dem Philanthropen Ernst Christian Trapp besetzt, der in seiner Schrift „Versuch einer Pädagogik“ eine empirische, sich auf Beobachtung und Experiment stützende Erziehungswissenschaft begründete. Diese ist ganz dem neuen Geist der Aufklärung verpflichtet und sucht ein System der Pädagogik als Wissenschaft nicht aus theologischen oder philosophischen Prinzipien abzuleiten, sondern von der Psychologie und den gesellschaftlichen Bedingungen der Erziehung her zu entwickeln.
Allerdings blieb eine universitäre Pädagogik nur eine kurze Episode, da Trapp nach Konflikten mit der Theologischen Fakultät die Universität Halle bereits nach vier Jahren enttäuscht wieder verließ. Trapps Nachfolger, Friedrich August Wolf, gestaltete die Altertumswissenschaft zum Mittelpunkt der Ausbildung angehender Gymnasiallehrer und entwickelte damit zugleich erste Konturen für die neuhumanistische Bildung von Gymnasiallehrern an den Universitäten im 19. Jahrhundert. Während im ausgehenden 18. Jahrhundert der Begriff Erziehungswissenschaft erstmals verwendet und das Phänomen intensiv diskutiert wird, war von Erziehungswissenschaft als eigenständiger Disziplin seit der Wende zum 19. Jahrhundert zunächst nicht mehr die Rede. Gleichwohl finden einige Entwicklungen statt, die den Verwissenschaftlichungsprozess begünstigen: So kommt es im Verlauf des 19. Jahrhunderts zur sukzessiven Durchsetzung der Schulpflicht. Zudem wurden nach 1820 in Preußen Ausbildungsstätten für das Lehramt an niederen Schulen eingerichtet, an denen elementares Wissen, wie Lesen, Schreiben und Rechnen vermittelt wurde.
Bevor die Erziehungswissenschaft sich also als wissenschaftliche Disziplin konstituieren konnte, ging dem eine Ausdifferenzierung des Bildungs-, Erziehungs- und Sozialwesens voraus, was gleichzeitig zu einer Expansion pädagogischen Wissens und pädagogischer Fragestellungen führte. In diesem Prozess bildeten sich auch neue pädagogische Berufe für außerschulische Arbeitsfelder heraus, für die jedoch lange Zeit noch kein spezifisches akademisches Ausbildungsprofil existieren sollte.
Während also im 19. Jahrhundert die Vorgeschichte des modernen Bildungs- und Erziehungswesens beginnt, führte diese Entwicklung nicht zur Etablierung einer universitären Erziehungswissenschaft und schon gar nicht zur Herausbildung spezieller Teildisziplinen, die sich mit pädagogischen Fragen im Kontext etwa von Erwachsenenbildung oder Sozialer Arbeit beschäftigen. Systematische Fragen nach der Konstruktion pädagogischen Wissens, also danach, was und wie pädagogisches Handeln sein soll, werden zu Beginn des 19. Jahrhunderts bereits dort diskutiert, wo sie auch in der historischen Entstehungsphase der Erziehungswissenschaft, nämlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer noch anzutreffen sind. Gleichzeitig waren es aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts neben innerwissenschaftlichen Debatten die gesellschaftlichen Problemlagen und die sich daraus ergebenden Professionalisierungsbedürfnisse pädagogischer Praxis, die die Etablierung der Pädagogik als Wissenschaft mit vorantrieben. Aus der Ausdifferenzierung und Pluralisierung pädagogischer Tätigkeitsfelder erwuchsen zunehmend berufsfeldspezifische wie auch übergreifende Fragestellungen, die eine wissenschaftliche Reflexion und Kommunikation provozierten. Einen bedeutenden Impuls erhielt die Entwicklung der Pädagogik als Wissenschaft durch die Begründung einer akademischen Lehrerbildung der Volksschullehrer in der Zeit der Weimarer Republik.
Damit findet die wissenschaftliche Reflexion pädagogischer Fragestellungen in den 1920er-Jahren ihren Ort an den Universitäten sowie an einigen neu entstandenen Forschungsinstituten und löst sich zunehmend von anderen Disziplinen ab. Im Zuge dieses Prozesses hielten zwar auch erwachsenenbildnerische und sozialpädagogische Themen Einzug in die universitäre Lehre, dies geschah jedoch – bis auf wenige Ausnahmen – lediglich punktuell und häufig auch noch innerhalb anderer Disziplinen, wie z.B. der Medizin, der Theologie oder der Philosophie. Es gab somit für die neu entstehenden und expandierenden pädagogischen Berufe in den außerschulischen Institutionen noch kein spezifisches erziehungswissenschaftliches Ausbildungsprofil und auch die theoretischen Diskurse über diese Arbeitsfelder wurden noch von den Lehrstuhlinhabern für Allgemeine Pädagogik mitgeführt.
Insgesamt lässt sich sagen, dass in den 1920er- und 1930er-Jahren zwar einige Vorstöße in Richtung einer universitären Ausbildung sowohl auf dem Gebiet der Sozialpädagogik/Sozialarbeit als auch auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung zu verzeichnen sind. Ein spezifisches akademisches Ausbildungsprofil wird in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg jedoch kaum entwickelt und die theoretischen Diskurse der sich etablierenden Arbeitsfelder insbesondere der Sozialpädagogik und der Erwachsenenbildung werden im Kontext der Allgemeinen Pädagogik geführt. Deutlich wird anhand der dargestellten Entwicklung, dass es sich im Falle dieser Berufsfelder um eine sekundäre Disziplinbildung handelt, d.h., dass sich für schon bestehende Berufsfelder erst im Nachhinein eine Wissenschaftsdisziplin herausbildet.
Im dritten Kapitel von Heinz-Hermann Krügers „Einführung in die Erziehungs- und Bildungswissenschaft“ geht es um die gegenwärtige Struktur der Disziplin.
Die Erziehungswissenschaft ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten durch eine zunehmende Pluralität und ein Nebeneinander verschiedener theoretischer Konzepte, durch eine Verstärkung der empirischen Forschung und durch eine weitere Ausdifferenzierung des Fachs in eine Vielzahl von Subdisziplinen und Fachrichtungen gekennzeichnet. Vorangetrieben wurde diese Entwicklung unter anderem durch die Umstellung der traditionellen Hauptfachstudiengänge auf Bachelor- und Masterstudiengänge im Zuge der Bologna-Reform. Dabei gewann neben dem Begriff der Erziehungswissenschaft auch der Terminus Bildungswissenschaft an Bedeutung.
In der aktuellen Strukturskizze der Erziehungswissenschaft lassen sich zwei Ebenen unterscheiden:
- Ebene der Subdisziplinen:
- Allgemeine Pädagogik: Systematische, Historische und Vergleichende Erziehungswissenschaft
- Spezielle Pädagogiken: Schulpädagogik, Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Sonderpädagogik, Erwachsenenbildung, Sozialpädagogik
- Ebene der Fachrichtungen:
- Interkulturelle Pädagogik
- Medienpädagogik
- Pädagogik der frühen Kindheit
- Organisationspädagogik
- Empirische Bildungsforschung
Der ersten Ebene lassen sich zudem Nachbardisziplinen wie Pädagogische Psychologie, Bildungssoziologie und Fachdidaktik zuordnen.
Zu den Subdisziplinen: Die Systematische, Historische und Vergleichende Erziehungswissenschaft befassen sich mit den begrifflichen, theoretischen und methodologischen Grundlagenfragen sowie der Problemgeschichte und dem internationalen Vergleich von Erziehungswissenschaft. Die Lehre und die Forschungsthemen beziehen sich hier auf Grundbegriffe wie Erziehung, Bildung und Sozialisation, auf deren institutionelle und gesellschaftliche Bedingungen, auf die Ideen- und Sozialgeschichte von Erziehung und Bildung bzw. auf den internationalen Vergleich von Bildungssystemen oder auf Themen einer interkulturellen Sozialisationsforschung.
Die Schulpädagogik und die Berufs- und Wirtschaftspädagogik haben ihren Ausbildungsauftrag primär in der Lehramtsausbildung, wobei die Schulpädagogik einen zentralen Stellenwert in dem Ausbildungsangebot für die Lehrer*innen an allgemeinbildenden Schulen hat, während die Berufs- und Wirtschaftspädagogik für die Ausbildung von Lehrer*innen für die gewerblichen Berufsschulen bzw. Handelsschulen zuständig ist. Die Schulpädagogik widmet sich der gesamten Schulwirklichkeit in Forschung, Theoriebildung und Lehre und thematisiert Aspekte einer Theorie der Schule, Fragen des Lehrens und Lernens und der Didaktik sowie des Verlaufes von Schüler*innenbiografien. Die Berufs- und Wirtschaftspädagogik beschäftigt sich in Forschung und Lehre hingegen mit der historischen Entwicklung beruflicher Bildungsprozesse, mit den Lernorten und gesellschaftlichen Bedingungen der Berufsbildung sowie mit der didaktischen Organisation beruflichen Lernens.
Die Sonderpädagogik bezieht sich sowohl auf die Lehramts- als auch auf die erziehungswissenschaftlichen Hauptfachstudiengänge. Im Bereich der Sonderpädagogik wird in Forschung und Lehre in vielfältiger Weise der Frage nach Behinderungen und Benachteiligungen von Heranwachsenden und Erwachsenen nachgegangen. Vor allem in jüngster Zeit stehen im Gefolge der UN-Konventionen über die Rechte behinderter Menschen von 2006 Fragen nach ihrer vollen und effektiven Inklusion in die Gesellschaft im Mittelpunkt.
Die Erwachsenenbildung befasst sich mit dem Problem der Weiterbildung und des Weiterlernens von Erwachsenen, mit den Institutionen und Trägern, den didaktischen Konzepten oder mit den Biografien der Teilnehmer*innen, die Veranstaltungen der allgemeinen oder beruflichen Erwachsenen- bzw. Weiterbildung besuchen. Die Sozialpädagogik beschäftigt sich mit außerfamilialer und außerschulischer Erziehung und entsprechenden Hilfen, die von der Beratung, über die Kinder- und Jugendarbeit, die Heimerziehung, die Drogenarbeit bis hin zur Unterstützung alter Menschen reichen.
Die Pädagogische Psychologie beschäftigt sich zumeist auf empirischer Basis mit Fragen der Lehr- und Lernforschung, der Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters sowie der pädagogisch-psychologischen Beratung und Diagnose. Im Zentrum der Forschungen zur Bildungssoziologie stehen hingegen Analysen der gesellschaftlichen Bedingungen schulischer und außerschulischer Sozialisation, Untersuchungen zu pädagogischen Professionen oder zur Soziologie der Kindheit und Jugend. Die Fachdidaktik ist die Wissenschaft, die sich mit der Theorie und Lehre des Unterrichts in einem Schulfach unter Beobachtung des Verhältnisses zu einer Fachwissenschaft befasst.
Zu den Fachrichtungen: Die Interkulturelle Pädagogik ist zunächst in Reaktion auf die Arbeitsmigration in den 1970er-Jahren in Westdeutschland entstanden und setzt sich gegenwärtig mit Fragen einer interkulturellen Erziehung in einer multikulturellen globalisierten Gesellschaft auseinander. Die Medienpädagogik erforscht die Verwendung unterschiedlicher Medien in der Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, entwickelt aber auch Konzepte für die Gestaltung medialen Lernens in der Schule sowie in vor- und außerschulischen pädagogischen Handlungsfeldern. Die Pädagogik der frühen Kindheit bzw. Kindheitspädagogik bezieht sich auf die Lebensphase Kindheit von der Geburt bis hin zur Übernahme der Schülerinnenrolle. Weitere erziehungswissenschaftliche Fachrichtungen wie etwa Organisationspädagogik und Bildungsmanagement sowie empirische Bildungsforschung wurden vor dem Hintergrund der verstärkten Nachfrage nach erziehungs- und bildungswissenschaftlicher Forschung etabliert.
Dieser Ebene der Fachrichtungen lassen sich auch noch verwandte Disziplinen aus den Nachbarwissenschaften, wie die Pädagogische Psychologie oder die Bildungssoziologie zuordnen, die teilweise bei den ursprünglichen Fachdisziplinen, teilweise in der Erziehungswissenschaft angesiedelt sind.
Zusammenfassend lassen sich drei Entwicklungstrends festhalten:
- Die zunehmende Ausdifferenzierung der Erziehungswissenschaft hat zu einem Bedeutungsverlust der Allgemeinen Erziehungswissenschaft geführt.
- Im vergangenen Jahrzehnt wurden weit über 100 Professuren für empirische Bildungsforschung eingerichtet, was die Forschungsproduktivität des Fachs deutlich gestärkt hat.
- Bei der Einführung der neuen pädagogischen Bachelor- und Masterstudiengänge hat sich eine große Vielzahl von Etiketten und Fachbezeichnungen durchgesetzt.
Insgesamt betrachtet hat die Ausdifferenzierung der Erziehungswissenschaft in verschiedene Subdisziplinen und Fachrichtungen zu einer Pluralität und Vielfalt geführt. Auf der anderen Seite kann man diese Entwicklung aber auch kritisch als Wildwuchs bezeichnen.
Im vierten Kapitel von Heinz-Hermann Krügers „Einführung in die Erziehungs- und Bildungswissenschaft“ geht es um die zentralen Theorieströmungen der Erziehungswissenschaft.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten sich zwei Hauptströmungen der Erziehungswissenschaft etablieren:
- die Geisteswissenschaftliche Pädagogik: knüpfte an die Tradition der Arbeiten von Friedrich D.E. Schleiermacher und Wilhelm Dilthey an
- die Empirische Erziehungswissenschaft: orientierte sich an den ersten Begründungsversuchen von Ernst-Christian Trapp bzw. an erkenntnistheoretischen Programmatiken im französischen Positivismus
Die Geisteswissenschaftliche Pädagogik hatte Auswirkungen auf die weitere Theorieentwicklung in der Erziehungswissenschaft, da alle Vertreter einer Kritischen Erziehungswissenschaft aus dieser Theorietradition stammten. Die Kritische Erziehungswissenschaft wiederum beeinflusste die Entstehung weiterer Theorien wie der Kommunikativen Pädagogik, der Interaktionistischen Pädagogik, der Entwicklungspädagogik, der Evolutions- und Handlungstheoretischen Erziehungswissenschaft.
Seit den 1980er-Jahren ist die erziehungs- und bildungswissenschaftliche Theorielandschaft durch eine Pluralität von Ansätzen und Konzepten gekennzeichnet. Neben den Weiterentwicklungen der Empirischen und der Kritischen Erziehungswissenschaft gibt es eine Gruppe von erziehungswissenschaftlichen Konzeptionen, die sich auf andere geistesgeschichtliche Traditionslinien außerhalb der Pädagogik stützen:
- die sich auf die Philosophie von Immanuel Kant beziehende transzendentalphilosophische und die praxeologische Pädagogik
- die an die Gesellschafts- und Geschichtstheorie von Karl Marx anknüpfende materialistische Pädagogik
- die an die Arbeiten Sigmund Freuds anschließende Psychoanalytische Pädagogik
- die in der Tradition der Lebenswelttheorie von Edmund Husserl stehende Phänomenologische Pädagogik
Weitere Versuche, die Erziehungswissenschaft weiterzuentwickeln, beziehen sich auf zeitgenössische und internationale Theoriekonzeptionen aus den Nachbardisziplinen:
- die Strukturalistische Pädagogik: stützt sich auf linguistische und psychologische Entwicklungslinien
- die Poststrukturalistische Erziehungswissenschaft: knüpft an die Machttheorie von Foucault an
- die Systemtheoretische Erziehungswissenschaft: wurde von Niklas Luhmann selbst angeregt
- die Konstruktivistische Erziehungswissenschaft
- die Reflexive Erziehungswissenschaft
Neben diesen Theorieströmungen der Erziehungswissenschaft gibt es seit Beginn des letzten Jahrhunderts auch noch Erziehungslehren, wie z.B. die Waldorfpädagogik oder die Montessoripädagogik. Diese haben jedoch nicht den Status einer fundierten erziehungswissenschaftlichen Theoriekonzeption.
Im weiteren Verlauf des Kapitels werden sechs Grundpositionen der Erziehungswissenschaft vorgestellt:
- die Geisteswissenschaftliche Pädagogik: verfolgt den Anspruch, die Erziehungswirklichkeit zu verstehen
- die Empirische Erziehungswissenschaft: will die Phänomene der Erziehungswirklichkeit erklären
- die Kritische Erziehungswissenschaft: strebt eine gesellschaftskritische Analyse der Erziehungswirklichkeit an
- die transzendentalphilosophische Pädagogik: will der Erziehungswirklichkeit mit Prinzipien normative Vorgaben machen bzw. diese in neueren Varianten kritisch hinterfragen
- die Strukturalistische und Poststrukturalistische Erziehungswissenschaft: nimmt die latenten Tiefenstrukturen der Erziehungswirklichkeit in den Blick
- die Systemtheoretische und Konstruktivistische Erziehungswissenschaft: fragt danach, wie die Erziehungswirklichkeit hergestellt wird
Dabei werden jeweils die wichtigsten Vertreter*innen der jeweiligen Theorieströmung, die Entstehungszusammenhänge und wissenschaftstheoretischen Bezugspunkte, die zentralen theoretischen und methodischen Grundannahmen, die jeweils in den Blick genommenen Aspekte des pädagogischen Gegenstands- und Forschungsfeldes sowie Schwachpunkte und theoretische Weiterentwicklungen der verschiedenen Konzeptionen skizziert.
Den Abschluss bildet ein Ausblick auf verschiedene Varianten eines Theoriekonzepts einer Reflexiven Erziehungswissenschaft.
Im fünften Kapitel von Heinz-Hermann Krügers „Einführung in die Erziehungs- und Bildungswissenschaft“ geht es um eine Bilanz und einen Ausblick auf die Herausforderungen der Erziehungswissenschaft.
Zu den institutionellen Bedingungen und Herausforderungen:
- Die Studierendenzahlen in den Bachelorstudiengängen steigen deutlich an.
- Die Anzahl der Professuren ist in den vergangenen Jahren wieder leicht angestiegen, die der Mittelbaustellen sogar deutlich.
- Das Volumen der eingeworbenen Finanzmittel für Forschungsprojekte hat sich deutlich gesteigert.
- Es gibt viele verschiedene Hauptfachstudiengänge mit unterschiedlichen Bezeichnungen, was Fragen hinsichtlich der Anschlussfähigkeit der Studiengänge für Studierende aufwirft.
- Der Anteil der Module für die Methodenausbildung ist in spezialisierten Studiengängen oft geringer.
- Die Anzahl der bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingereichten Anträge ist seit Jahren stagnierend.
Zu den theoretischen und methodischen Entwicklungen und zukünftigen Forschungsperspektiven:
Im Unterschied zu den ersten drei Nachkriegsjahrzehnten, in denen jeweils ein Paradigma mit seinen theoretischen Konzepten und methodischen Zugängen die Diskussion dominierte, ist die erziehungswissenschaftliche Theorie- und Methodenlandschaft seit den 1980er-Jahren bis zur Gegenwart durch eine Ausdifferenzierung und eine Pluralität von theoretischen Ansätzen und damit verknüpften methodischen Perspektiven gekennzeichnet. Man kann diese Entwicklung als Verlust von Einheit oder von dominanten Großtheorien bedauern oder aber auch als Normalisierungsprozess im Wissenschaftssystem interpretieren.
Die historische Entwicklung der Theorie- und Methodendiskurse kann auch als ein Aufschichtungsprozess gedeutet werden, in dem ältere Überlegungen in jüngeren Konzepten aufgegriffen und konstruktiv weiterentwickelt wurden.
Neben dem Aufschichtungsprozess ist die historische Entwicklung auch als Geschichte von Positionskämpfen zu deuten, in denen es auch um Geld, Macht und Prestige geht. Dies lässt sich an der aktuellen Debatte um die empirische Bildungsforschung illustrieren.
Auch wenn eine Reihe von empirischen Indikatoren für eine Expansion der neuen empirischen Bildungsforschung sprechen, ist es dennoch völlig überzogen, mit einem Blick auf die aktuelle Theorie- und Forschungslandschaft in der Erziehungswissenschaft von einer Aufkündigung der Pluralität zu sprechen.
Für eine kritisch orientierte Bildungsforschung stellen sich vor dem Hintergrund der aktuellen und zukünftig prognostizierbaren gesellschaftlichen und pädagogischen Entwicklungen u.a. folgende zentrale Forschungsaufgaben:
- Welche paradoxen Neben- und Folgeeffekte haben die von der neueren empirischen Bildungsforschung mit initiierten Bestrebungen zur Vermessung und Standardisierung der Bildungslandschaft?
- Wie wirkt sich die zukünftig erwartbare Expansion des Pädagogischen auf die Familie, die Geschlechterverhältnisse, die Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen sowie die Institutionen der Jugendhilfe aus?
- Wie wirkt sich der aktuelle Umbau des Bildungswesens auf die Verstärkung oder den Abbau ungleicher Bildungschancen aus?
- Welche Konsequenzen hat der technologische Wandel und die damit einhergehende Digitalisierung für das Lernen in den verschiedenen Bereichen?
- Welche Folgewirkungen haben die Globalisierung und eine entfesselte Weltgesellschaft für das Bildungs- und Sozialwesen?
Wünschenswert wäre es, in diesem Feld zukünftig auch stärker international vergleichende Studien durchzuführen.