DIY Projekt: Ein alter Raspberry Pi 3 als permanente Info-Wand (Kiosk)

Wie verwandelt man einen alten Raspberry Pi 3 und einen gebrauchten Monitor in eine schicke, digitale To-Do-Liste oder ein Dashboard? Die Antwort lautet: DietPi und Chromium Kiosk Mode.

In diesem Beitrag fasse ich den Weg zusammen, wie man das System „headless“ (ohne Tastatur/Maus am Pi) konfiguriert und dabei typische Stolpersteine wie HDMI-zu-VGA-Adapter und schwarze Ränder überwindet.

Die Hardware

  • Raspberry Pi 3
  • Micro-SD Karte
  • Monitor (Full HD, 1920×1080)
  • Aktiver HDMI-zu-VGA Adapter (da der Monitor keinen HDMI-Eingang hatte)

Schritt 1: Das Betriebssystem (DietPi)

Statt des normalen Raspberry Pi OS nutzen wir DietPi. Es ist extrem schlank, verbraucht kaum RAM und lässt sich komplett über Textdateien konfigurieren, bevor der Pi überhaupt das erste Mal startet.

  1. Image flashen: Das aktuelle DietPi-Image (ARMv8 64-bit für RPi 3) herunterladen und mit einem Tool wie Raspberry Pi Imager oder BalenaEtcher auf die SD-Karte schreiben.
  2. Mounten: Nach dem Flashen die Karte kurz entfernen und neu einstecken, damit der PC die kleine Partition boot erkennt.

Schritt 2: Die „Zero-Touch“ Konfiguration (dietpi.txt)

Der Clou an DietPi ist die Datei dietpi.txt auf der Boot-Partition. Hier stellen wir ein, dass der Pi automatisch alles installiert und direkt in den Browser bootet.

Öffne die dietpi.txt und ändere folgende Werte:

# 1. Installation automatisieren (kein User-Input nötig)
AUTO_SETUP_AUTOMATED=1

# 2. Software vorwählen: ID 113 ist Chromium
AUTO_SETUP_INSTALL_SOFTWARE_ID=113

# 3. Autostart: Direkt in den Chromium Kiosk Modus booten (Index 11)
AUTO_SETUP_AUTOSTART_TARGET_INDEX=11

# 4. Auflösung und URL für den Browser festlegen
# Wichtig: Hier muss die native Auflösung des Monitors stehen!
SOFTWARE_CHROMIUM_RES_X=1920
SOFTWARE_CHROMIUM_RES_Y=1080
SOFTWARE_CHROMIUM_AUTOSTART_URL=https://deine-url.de/todo.php

Wichtig für WLAN: Die WLAN-Zugangsdaten gehören nicht in die dietpi.txt, sondern in die Datei dietpi-wifi.txt im selben Ordner! Dort einfach SSID und Key eintragen und in der dietpi.txt AUTO_SETUP_NET_WIFI_ENABLED=1 setzen.

Schritt 3: Den VGA-Adapter zwingen (config.txt)

Hier lag die größte Herausforderung. HDMI-zu-VGA-Adapter melden sich oft nicht korrekt beim Pi („Hotplugging“ fehlt) und benötigen mehr Strom vom HDMI-Port. Das Ergebnis ist oft ein schwarzer Bildschirm.

Der Profi-Tipp: Unter manchen Linux-Distros wird die config.txt als defekte Verknüpfung angezeigt. In diesem Fall: Die Datei löschen und eine neue Textdatei namens config.txt erstellen.

Füge diese Konfiguration in die config.txt ein, um ein stabiles 1080p Signal zu erzwingen:

# --- VGA Adapter Fix & Full HD Setup ---

# 1. Signal erzwingen (Ignoriert, ob Monitor erkannt wird)
hdmi_force_hotplug=1

# 2. Signalstärke erhöhen (VGA Adapter brauchen Strom vom Port!)
config_hdmi_boost=7

# 3. Kein DVI Modus, sondern HDMI Protokoll (Audio/Video)
hdmi_drive=2

# 4. Auflösung fest auf 1080p 60Hz nageln (DMT Mode für Monitore)
hdmi_group=2
hdmi_mode=82

# 5. Internen Grafikspeicher anpassen (damit der Pi weiß, wie groß die Leinwand ist)
framebuffer_width=1920
framebuffer_height=1080

# 6. Ränder entfernen (Underscan deaktivieren)
disable_overscan=1

# 7. Speicher für die GPU erhöhen (für flüssiges Rendering)
gpu_mem=128

Schritt 4: Der erste Start

Karte in den Pi, Strom an. Da wir AUTO_SETUP_AUTOMATED=1 gesetzt haben, führt der Pi nun beim ersten Start ein Update durch, installiert den X-Server und Chromium. Das dauert auf einem RPi 3 etwa 5 bis 10 Minuten.

Danach startet er automatisch neu und zeigt die Webseite im Vollbild – ohne schwarze Ränder, dank der korrekten Framebuffer- und Overscan-Einstellungen.

Verwendete Software & Quellen

Hier ist der Überblick der genutzten Tools:

  • Betriebssystem:DietPi
    • Quelle: dietpi.com
    • Warum: Minimalistisches Debian, perfekt für Kiosk-Anwendungen („Just enough OS for the job“).
  • Browser-Engine:Chromium
    • Installation: Automatisch via DietPi Software ID 113.
    • Modus: Kiosk (Startet ohne Adressleiste, Vollbild).
  • Flash-Tool:Raspberry Pi Imager (oder BalenaEtcher/USB Image Writer unter Linux Mint)
  • Editor: Standard Texteditor (Notepad++, Sublime Text, oder xed/nano unter Linux). Wichtig ist, dass er UNIX-Zeilenumbrüche versteht (unter Windows keine reine notepad.exe nutzen!).
  • Quellen für Konfigurations-Parameter:

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