{"id":150,"date":"2025-01-23T09:42:00","date_gmt":"2025-01-23T08:42:00","guid":{"rendered":"http:\/\/cibis.de\/blog\/?p=150"},"modified":"2025-01-22T12:50:47","modified_gmt":"2025-01-22T11:50:47","slug":"zusammenfassung-einfuehrung-in-die-erziehungs-und-bildungswissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cibis.de\/blog\/zusammenfassung-einfuehrung-in-die-erziehungs-und-bildungswissenschaft\/2025\/","title":{"rendered":"Zusammenfassung: Einf\u00fchrung in die Erziehungs- und Bildungswissenschaft"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eventuell schon aufgefallen: Ich habe aktuell grunds\u00e4tzlich etwas mit P\u00e4dagogik im weitesten Sinne zu tun. Das kommt daher, dass ich momentan im dritten Semester Erziehungs- und Bildungswissenschaften studiere, um einen Plan B parat zu haben, sollte ich in den n\u00e4chsten Jahren k\u00f6rperlich in meinem Beruf nicht mehr zurecht kommen. Aus diesem Grund werden hier die Zusammenfassungen, die ich f\u00fcr potentielle Klausuren brauche ver\u00f6ffentlicht. Alles ohne Gew\u00e4hr, aber gerne frei zu verwenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im ersten Kapitel von Heinz-Hermann Kr\u00fcgers \u201eEinf\u00fchrung in die Erziehungs- und Bildungswissenschaft\u201c geht es um die Notwendigkeit, sich mit Theorie und Forschung zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst wird die Frage gestellt, warum man \u00fcberhaupt Erziehungswissenschaft studieren sollte. In einer Umfrage unter Studierenden gaben die meisten an, dass sie sp\u00e4ter \u201eetwas mit Menschen machen\u201c wollen. Das Interesse an Theorien und Forschung ist zu Beginn des Studiums meist noch nicht sehr ausgepr\u00e4gt, wobei viele Studierende eher eine Sammlung von Handlungsanweisungen f\u00fcr die sp\u00e4tere Praxis erwarten. P\u00e4dagogisches Handeln kann jedoch nicht in rezeptf\u00f6rmigen Anweisungen bestehen. Hans-Christoph Koller liefert hierf\u00fcr drei Argumente:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Erstens gibt es im p\u00e4dagogischen und bildungspolitischen Diskurs viele verschiedene und teils kontroverse Ansichten. Um diese Konzepte selbst\u00e4ndig und kritisch beurteilen zu k\u00f6nnen, ist die Besch\u00e4ftigung mit Theorien wichtig.<\/li>\n\n\n\n<li>Zweitens sind die Situationen und Menschen, mit denen P\u00e4dagog*innen konfrontiert sind, immer einzigartig. P\u00e4dagogische Handlungskompetenz beinhaltet daher auch die F\u00e4higkeit, das Fachwissen auf je besondere p\u00e4dagogische Situationen zu beziehen. F\u00fcr diese hermeneutische Kompetenz ist die Auseinandersetzung mit Theorien unerl\u00e4sslich.<\/li>\n\n\n\n<li>Drittens ist p\u00e4dagogisches Handeln zukunftsbezogen. In 30 bis 40 Jahren werden sich die Adressaten p\u00e4dagogischen Handelns und die p\u00e4dagogischen Situationen stark ver\u00e4ndert haben. Daher m\u00fcssen P\u00e4dagog*innen in der Lage sein, ihr Wissen auf sich ver\u00e4ndernde Situationen zu transferieren und kritisch weiterzuentwickeln.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insgesamt kann man eine Einf\u00fchrung in die Theorien und Forschungsergebnisse der Erziehungswissenschaft als eine Art Reisef\u00fchrer betrachten, der die Studierenden auf die Geschichte, die zentralen Konzepte und die Methoden des Fachs vorbereitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wissenschaft und p\u00e4dagogische Berufspraxis folgen sehr unterschiedlichen Regeln. Praktisches Denken und Handeln ist anders als wissenschaftliches Denken und Handeln. Wissenschaftliches Denken muss im Gegensatz zu alltagsweltlichem Denken stark begr\u00fcndet werden. In der Praxis m\u00fcssen Entscheidungen unter Handlungsdruck getroffen werden. In der Wissenschaft geht es um ausf\u00fchrliche Begr\u00fcndungen \u00fcber Theorien und empirische Forschung. Das Verh\u00e4ltnis von Theorie und Praxis in der P\u00e4dagogik ist problematisch, weil die P\u00e4dagogik gleichzeitig \u00fcber die Erziehungswirklichkeit reflektieren und Handlungsalternativen f\u00fcr die Praxis bereitstellen soll, aber keine direkten Handlungsanweisungen geben kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im weiteren Verlauf des Kapitels wird zun\u00e4chst auf die Begriffe P\u00e4dagogik, Erziehungswissenschaft und Bildungswissenschaft eingegangen. Der Begriff der P\u00e4dagogik wurde bereits im antiken Griechenland verwendet und bezog sich auf die T\u00e4tigkeit des P\u00e4dagogen. Der Begriff der Erziehungswissenschaft tauchte erst im 18. Jahrhundert im Zuge der Aufkl\u00e4rung auf. Der Begriff der Bildungswissenschaft wird erst seit dem letzten Jahrzehnt verwendet und bezieht sich auf die Entgrenzungsprozesse von Bildung \u00fcber den gesamten Lebenslauf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach wird auf die Erziehungswissenschaft als Disziplin eingegangen. In der Wissenschaftsforschung umfasst dieser Begriff drei Bedeutungskomponenten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>kognitive Strukturen: das im Fach Erziehungswissenschaft erzeugte Wissen<\/li>\n\n\n\n<li>soziale Strukturen: die Voraussetzungen f\u00fcr Forschung und Lehre im Fach Erziehungswissenschaft<\/li>\n\n\n\n<li>Medien der Kommunikation: Fachzeitschriften, Fachlexika und Lehrb\u00fccher, aber auch Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Erziehungswissenschaft<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im n\u00e4chsten Abschnitt wird die Frage gestellt, was Wissenschaft ist. Der Soziologe Rudolf Stichweh definiert Wissenschaftsdisziplinen als Forschungsgemeinschaften mit gemeinsamen Problemstellungen, Forschungsmethoden und Kommunikationsmechanismen. Aus wissenschaftstheoretischer Sicht kann man nach dem Zustandekommen und der Geltung von wissenschaftlichen Aussagen fragen. Laut Elisabeth Str\u00f6ker ist die Suche nach Wahrheit eine grundlegende Bedingung wissenschaftlichen Forschens. F\u00fcr sie ist der Anspruch, Erkenntnis durch rationale, intersubjektiv nachvollziehbare Methoden zu erreichen, zentral. Andere Autoren bezweifeln jedoch, dass man von einer Einheit der Wissenschaft sprechen kann. Schlie\u00dflich wird die Frage, was Wissenschaft ist, auch aus historischer Perspektive gestellt. Der Wissenschaftshistoriker Thomas S. Kuhn besch\u00e4ftigte sich mit wissenschaftlichen Revolutionen. Seiner Ansicht nach sind Entwicklungen in den Wissenschaften nicht nur von wissenschaftlichen Kriterien abh\u00e4ngig, sondern auch von soziokulturellen Faktoren. Radikale Ver\u00e4nderungen in der Wissenschaft, die die Deutung von Welt und Wissenschaft ver\u00e4ndern, bezeichnet Kuhn als Paradigmenwechsel. Beispiele f\u00fcr solche Paradigmenwechsel sind das heliozentrische Weltbild von Kopernikus, die Evolutionstheorie von Darwin und die Relativit\u00e4tstheorie von Einstein. Solche Paradigmenwechsel lassen sich auch f\u00fcr die Erziehungswissenschaft aufzeigen, beispielsweise in der aufkl\u00e4rerischen P\u00e4dagogik im Vergleich zur pietistischen P\u00e4dagogik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der letzte Abschnitt des Kapitels besch\u00e4ftigt sich mit unterschiedlichen Wissensformen in der Erziehungswissenschaft. Die Wissenschaftsforschung unterscheidet zwischen drei verschiedenen Wissensformen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>p\u00e4dagogisches Alltagswissen: das, was jeder \u00fcber Erziehung und Bildung sagen kann<\/li>\n\n\n\n<li>p\u00e4dagogisches Professionswissen: das Wissen von in p\u00e4dagogischen Berufen T\u00e4tigen<\/li>\n\n\n\n<li>wissenschaftliches Wissen: bezieht sich auf Forschung und die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Theorien<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zweite Kapitel von Heinz-Hermann Kr\u00fcgers \u201eEinf\u00fchrung in die Erziehungs- und Bildungswissenschaft\u201c befasst sich mit der historischen Herausbildung der Disziplin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte der Erziehung ist zwar so alt wie die Menschheit selbst, da die Bearbeitung der Generationenfolge schon immer zu Entwicklungs- und Kulturgeschichte des Menschen geh\u00f6rte, erste schriftliche Zeugnisse \u00fcber p\u00e4dagogische Reflexionen gibt es aber erst aus der Zeit der griechischen Antike. In der Philosophie, Anthropologie und P\u00e4dagogik der griechischen Antike, z.B. bei Platon und Aristoteles, werden Fragestellungen einer neuzeitlichen Bildungsphilosophie bereits antizipiert. Der Mensch wird als Produkt seiner eigenen Praxis betrachtet, losgel\u00f6st von den Bedingungen und Mythen der archaischen Zeit gefasst und nach seiner Bestimmung gefragt. Auch wurden seit der Gr\u00fcndung erster Universit\u00e4ten im Mittelalter sowie der punktuellen Etablierung von h\u00f6heren Schulen f\u00fcr die st\u00e4dtischen Oberschichten im 16. Jahrhundert die modernen Erziehungsverh\u00e4ltnisse bereits antizipiert. Dennoch gibt es in der bildungshistorischen Forschung einen Konsens dar\u00fcber, dass mit der Herausbildung der modernen Gesellschaft im 18. Jahrhundert zugleich eine einschneidende Z\u00e4sur im p\u00e4dagogischen Denken und teilweise auch in der Erziehungsrealit\u00e4t einsetzt. Die P\u00e4dagogik und das Erziehungsdenken in der Zeit der Aufkl\u00e4rung legen die ideellen Wurzeln f\u00fcr die Begr\u00fcndung einer nachst\u00e4ndischen, am b\u00fcrgerlichen Leben orientierten Erziehung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Prozess der Ausdifferenzierung der Wissenschaften entsteht im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts die Erziehungswissenschaft als Disziplin. So wurde 1779 die erste Professur f\u00fcr P\u00e4dagogik in Deutschland an der Universit\u00e4t Halle mit dem Philanthropen Ernst Christian Trapp besetzt, der in seiner Schrift \u201eVersuch einer P\u00e4dagogik\u201c eine empirische, sich auf Beobachtung und Experiment st\u00fctzende Erziehungswissenschaft begr\u00fcndete. Diese ist ganz dem neuen Geist der Aufkl\u00e4rung verpflichtet und sucht ein System der P\u00e4dagogik als Wissenschaft nicht aus theologischen oder philosophischen Prinzipien abzuleiten, sondern von der Psychologie und den gesellschaftlichen Bedingungen der Erziehung her zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings blieb eine universit\u00e4re P\u00e4dagogik nur eine kurze Episode, da Trapp nach Konflikten mit der Theologischen Fakult\u00e4t die Universit\u00e4t Halle bereits nach vier Jahren entt\u00e4uscht wieder verlie\u00df. Trapps Nachfolger, Friedrich August Wolf, gestaltete die Altertumswissenschaft zum Mittelpunkt der Ausbildung angehender Gymnasiallehrer und entwickelte damit zugleich erste Konturen f\u00fcr die neuhumanistische Bildung von Gymnasiallehrern an den Universit\u00e4ten im 19. Jahrhundert. W\u00e4hrend im ausgehenden 18. Jahrhundert der Begriff Erziehungswissenschaft erstmals verwendet und das Ph\u00e4nomen intensiv diskutiert wird, war von Erziehungswissenschaft als eigenst\u00e4ndiger Disziplin seit der Wende zum 19. Jahrhundert zun\u00e4chst nicht mehr die Rede. Gleichwohl finden einige Entwicklungen statt, die den Verwissenschaftlichungsprozess beg\u00fcnstigen: So kommt es im Verlauf des 19. Jahrhunderts zur sukzessiven Durchsetzung der Schulpflicht. Zudem wurden nach 1820 in Preu\u00dfen Ausbildungsst\u00e4tten f\u00fcr das Lehramt an niederen Schulen eingerichtet, an denen elementares Wissen, wie Lesen, Schreiben und Rechnen vermittelt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor die Erziehungswissenschaft sich also als wissenschaftliche Disziplin konstituieren konnte, ging dem eine Ausdifferenzierung des Bildungs-, Erziehungs- und Sozialwesens voraus, was gleichzeitig zu einer Expansion p\u00e4dagogischen Wissens und p\u00e4dagogischer Fragestellungen f\u00fchrte. In diesem Prozess bildeten sich auch neue p\u00e4dagogische Berufe f\u00fcr au\u00dferschulische Arbeitsfelder heraus, f\u00fcr die jedoch lange Zeit noch kein spezifisches akademisches Ausbildungsprofil existieren sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend also im 19. Jahrhundert die Vorgeschichte des modernen Bildungs- und Erziehungswesens beginnt, f\u00fchrte diese Entwicklung nicht zur Etablierung einer universit\u00e4ren Erziehungswissenschaft und schon gar nicht zur Herausbildung spezieller Teildisziplinen, die sich mit p\u00e4dagogischen Fragen im Kontext etwa von Erwachsenenbildung oder Sozialer Arbeit besch\u00e4ftigen. Systematische Fragen nach der Konstruktion p\u00e4dagogischen Wissens, also danach, was und wie p\u00e4dagogisches Handeln sein soll, werden zu Beginn des 19. Jahrhunderts bereits dort diskutiert, wo sie auch in der historischen Entstehungsphase der Erziehungswissenschaft, n\u00e4mlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer noch anzutreffen sind. Gleichzeitig waren es aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts neben innerwissenschaftlichen Debatten die gesellschaftlichen Problemlagen und die sich daraus ergebenden Professionalisierungsbed\u00fcrfnisse p\u00e4dagogischer Praxis, die die Etablierung der P\u00e4dagogik als Wissenschaft mit vorantrieben. Aus der Ausdifferenzierung und Pluralisierung p\u00e4dagogischer T\u00e4tigkeitsfelder erwuchsen zunehmend berufsfeldspezifische wie auch \u00fcbergreifende Fragestellungen, die eine wissenschaftliche Reflexion und Kommunikation provozierten. Einen bedeutenden Impuls erhielt die Entwicklung der P\u00e4dagogik als Wissenschaft durch die Begr\u00fcndung einer akademischen Lehrerbildung der Volksschullehrer in der Zeit der Weimarer Republik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit findet die wissenschaftliche Reflexion p\u00e4dagogischer Fragestellungen in den 1920er-Jahren ihren Ort an den Universit\u00e4ten sowie an einigen neu entstandenen Forschungsinstituten und l\u00f6st sich zunehmend von anderen Disziplinen ab. Im Zuge dieses Prozesses hielten zwar auch erwachsenenbildnerische und sozialp\u00e4dagogische Themen Einzug in die universit\u00e4re Lehre, dies geschah jedoch \u2013 bis auf wenige Ausnahmen \u2013 lediglich punktuell und h\u00e4ufig auch noch innerhalb anderer Disziplinen, wie z.B. der Medizin, der Theologie oder der Philosophie. Es gab somit f\u00fcr die neu entstehenden und expandierenden p\u00e4dagogischen Berufe in den au\u00dferschulischen Institutionen noch kein spezifisches erziehungswissenschaftliches Ausbildungsprofil und auch die theoretischen Diskurse \u00fcber diese Arbeitsfelder wurden noch von den Lehrstuhlinhabern f\u00fcr Allgemeine P\u00e4dagogik mitgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insgesamt l\u00e4sst sich sagen, dass in den 1920er- und 1930er-Jahren zwar einige Vorst\u00f6\u00dfe in Richtung einer universit\u00e4ren Ausbildung sowohl auf dem Gebiet der Sozialp\u00e4dagogik\/Sozialarbeit als auch auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung zu verzeichnen sind. Ein spezifisches akademisches Ausbildungsprofil wird in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg jedoch kaum entwickelt und die theoretischen Diskurse der sich etablierenden Arbeitsfelder insbesondere der Sozialp\u00e4dagogik und der Erwachsenenbildung werden im Kontext der Allgemeinen P\u00e4dagogik gef\u00fchrt. Deutlich wird anhand der dargestellten Entwicklung, dass es sich im Falle dieser Berufsfelder um eine sekund\u00e4re Disziplinbildung handelt, d.h., dass sich f\u00fcr schon bestehende Berufsfelder erst im Nachhinein eine Wissenschaftsdisziplin herausbildet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im dritten Kapitel von Heinz-Hermann Kr\u00fcgers \u201eEinf\u00fchrung in die Erziehungs- und Bildungswissenschaft\u201c geht es um die gegenw\u00e4rtige Struktur der Disziplin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erziehungswissenschaft ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten durch eine zunehmende Pluralit\u00e4t und ein Nebeneinander verschiedener theoretischer Konzepte, durch eine Verst\u00e4rkung der empirischen Forschung und durch eine weitere Ausdifferenzierung des Fachs in eine Vielzahl von Subdisziplinen und Fachrichtungen gekennzeichnet. Vorangetrieben wurde diese Entwicklung unter anderem durch die Umstellung der traditionellen Hauptfachstudieng\u00e4nge auf Bachelor- und Masterstudieng\u00e4nge im Zuge der Bologna-Reform. Dabei gewann neben dem Begriff der Erziehungswissenschaft auch der Terminus Bildungswissenschaft an Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der aktuellen Strukturskizze der Erziehungswissenschaft lassen sich zwei Ebenen unterscheiden:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Ebene der Subdisziplinen:\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Allgemeine P\u00e4dagogik: Systematische, Historische und Vergleichende Erziehungswissenschaft<\/li>\n\n\n\n<li>Spezielle P\u00e4dagogiken: Schulp\u00e4dagogik, Berufs- und Wirtschaftsp\u00e4dagogik, Sonderp\u00e4dagogik, Erwachsenenbildung, Sozialp\u00e4dagogik<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n\n\n\n<li>Ebene der Fachrichtungen:\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Interkulturelle P\u00e4dagogik<\/li>\n\n\n\n<li>Medienp\u00e4dagogik<\/li>\n\n\n\n<li>P\u00e4dagogik der fr\u00fchen Kindheit<\/li>\n\n\n\n<li>Organisationsp\u00e4dagogik<\/li>\n\n\n\n<li>Empirische Bildungsforschung<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der ersten Ebene lassen sich zudem Nachbardisziplinen wie P\u00e4dagogische Psychologie, Bildungssoziologie und Fachdidaktik zuordnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den Subdisziplinen: Die Systematische, Historische und Vergleichende Erziehungswissenschaft befassen sich mit den begrifflichen, theoretischen und methodologischen Grundlagenfragen sowie der Problemgeschichte und dem internationalen Vergleich von Erziehungswissenschaft. Die Lehre und die Forschungsthemen beziehen sich hier auf Grundbegriffe wie Erziehung, Bildung und Sozialisation, auf deren institutionelle und gesellschaftliche Bedingungen, auf die Ideen- und Sozialgeschichte von Erziehung und Bildung bzw. auf den internationalen Vergleich von Bildungssystemen oder auf Themen einer interkulturellen Sozialisationsforschung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schulp\u00e4dagogik und die Berufs- und Wirtschaftsp\u00e4dagogik haben ihren Ausbildungsauftrag prim\u00e4r in der Lehramtsausbildung, wobei die Schulp\u00e4dagogik einen zentralen Stellenwert in dem Ausbildungsangebot f\u00fcr die Lehrer*innen an allgemeinbildenden Schulen hat, w\u00e4hrend die Berufs- und Wirtschaftsp\u00e4dagogik f\u00fcr die Ausbildung von Lehrer*innen f\u00fcr die gewerblichen Berufsschulen bzw. Handelsschulen zust\u00e4ndig ist. Die Schulp\u00e4dagogik widmet sich der gesamten Schulwirklichkeit in Forschung, Theoriebildung und Lehre und thematisiert Aspekte einer Theorie der Schule, Fragen des Lehrens und Lernens und der Didaktik sowie des Verlaufes von Sch\u00fcler*innenbiografien. Die Berufs- und Wirtschaftsp\u00e4dagogik besch\u00e4ftigt sich in Forschung und Lehre hingegen mit der historischen Entwicklung beruflicher Bildungsprozesse, mit den Lernorten und gesellschaftlichen Bedingungen der Berufsbildung sowie mit der didaktischen Organisation beruflichen Lernens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sonderp\u00e4dagogik bezieht sich sowohl auf die Lehramts- als auch auf die erziehungswissenschaftlichen Hauptfachstudieng\u00e4nge. Im Bereich der Sonderp\u00e4dagogik wird in Forschung und Lehre in vielf\u00e4ltiger Weise der Frage nach Behinderungen und Benachteiligungen von Heranwachsenden und Erwachsenen nachgegangen. Vor allem in j\u00fcngster Zeit stehen im Gefolge der UN-Konventionen \u00fcber die Rechte behinderter Menschen von 2006 Fragen nach ihrer vollen und effektiven Inklusion in die Gesellschaft im Mittelpunkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Erwachsenenbildung befasst sich mit dem Problem der Weiterbildung und des Weiterlernens von Erwachsenen, mit den Institutionen und Tr\u00e4gern, den didaktischen Konzepten oder mit den Biografien der Teilnehmer*innen, die Veranstaltungen der allgemeinen oder beruflichen Erwachsenen- bzw. Weiterbildung besuchen. Die Sozialp\u00e4dagogik besch\u00e4ftigt sich mit au\u00dferfamilialer und au\u00dferschulischer Erziehung und entsprechenden Hilfen, die von der Beratung, \u00fcber die Kinder- und Jugendarbeit, die Heimerziehung, die Drogenarbeit bis hin zur Unterst\u00fctzung alter Menschen reichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die P\u00e4dagogische Psychologie besch\u00e4ftigt sich zumeist auf empirischer Basis mit Fragen der Lehr- und Lernforschung, der Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters sowie der p\u00e4dagogisch-psychologischen Beratung und Diagnose. Im Zentrum der Forschungen zur Bildungssoziologie stehen hingegen Analysen der gesellschaftlichen Bedingungen schulischer und au\u00dferschulischer Sozialisation, Untersuchungen zu p\u00e4dagogischen Professionen oder zur Soziologie der Kindheit und Jugend. Die Fachdidaktik ist die Wissenschaft, die sich mit der Theorie und Lehre des Unterrichts in einem Schulfach unter Beobachtung des Verh\u00e4ltnisses zu einer Fachwissenschaft befasst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den Fachrichtungen: Die Interkulturelle P\u00e4dagogik ist zun\u00e4chst in Reaktion auf die Arbeitsmigration in den 1970er-Jahren in Westdeutschland entstanden und setzt sich gegenw\u00e4rtig mit Fragen einer interkulturellen Erziehung in einer multikulturellen globalisierten Gesellschaft auseinander. Die Medienp\u00e4dagogik erforscht die Verwendung unterschiedlicher Medien in der Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, entwickelt aber auch Konzepte f\u00fcr die Gestaltung medialen Lernens in der Schule sowie in vor- und au\u00dferschulischen p\u00e4dagogischen Handlungsfeldern. Die P\u00e4dagogik der fr\u00fchen Kindheit bzw. Kindheitsp\u00e4dagogik bezieht sich auf die Lebensphase Kindheit von der Geburt bis hin zur \u00dcbernahme der Sch\u00fclerinnenrolle. Weitere erziehungswissenschaftliche Fachrichtungen wie etwa Organisationsp\u00e4dagogik und Bildungsmanagement sowie empirische Bildungsforschung wurden vor dem Hintergrund der verst\u00e4rkten Nachfrage nach erziehungs- und bildungswissenschaftlicher Forschung etabliert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Ebene der Fachrichtungen lassen sich auch noch verwandte Disziplinen aus den Nachbarwissenschaften, wie die P\u00e4dagogische Psychologie oder die Bildungssoziologie zuordnen, die teilweise bei den urspr\u00fcnglichen Fachdisziplinen, teilweise in der Erziehungswissenschaft angesiedelt sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammenfassend lassen sich drei Entwicklungstrends festhalten:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Die zunehmende Ausdifferenzierung der Erziehungswissenschaft hat zu einem Bedeutungsverlust der Allgemeinen Erziehungswissenschaft gef\u00fchrt.<\/li>\n\n\n\n<li>Im vergangenen Jahrzehnt wurden weit \u00fcber 100 Professuren f\u00fcr empirische Bildungsforschung eingerichtet, was die Forschungsproduktivit\u00e4t des Fachs deutlich gest\u00e4rkt hat.<\/li>\n\n\n\n<li>Bei der Einf\u00fchrung der neuen p\u00e4dagogischen Bachelor- und Masterstudieng\u00e4nge hat sich eine gro\u00dfe Vielzahl von Etiketten und Fachbezeichnungen durchgesetzt.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insgesamt betrachtet hat die Ausdifferenzierung der Erziehungswissenschaft in verschiedene Subdisziplinen und Fachrichtungen zu einer Pluralit\u00e4t und Vielfalt gef\u00fchrt. Auf der anderen Seite kann man diese Entwicklung aber auch kritisch als Wildwuchs bezeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im vierten Kapitel von Heinz-Hermann Kr\u00fcgers \u201eEinf\u00fchrung in die Erziehungs- und Bildungswissenschaft\u201c geht es um die zentralen Theoriestr\u00f6mungen der Erziehungswissenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten sich zwei Hauptstr\u00f6mungen der Erziehungswissenschaft etablieren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>die Geisteswissenschaftliche P\u00e4dagogik: kn\u00fcpfte an die Tradition der Arbeiten von Friedrich D.E. Schleiermacher und Wilhelm Dilthey an<\/li>\n\n\n\n<li>die Empirische Erziehungswissenschaft: orientierte sich an den ersten Begr\u00fcndungsversuchen von Ernst-Christian Trapp bzw. an erkenntnistheoretischen Programmatiken im franz\u00f6sischen Positivismus<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geisteswissenschaftliche P\u00e4dagogik hatte Auswirkungen auf die weitere Theorieentwicklung in der Erziehungswissenschaft, da alle Vertreter einer Kritischen Erziehungswissenschaft aus dieser Theorietradition stammten. Die Kritische Erziehungswissenschaft wiederum beeinflusste die Entstehung weiterer Theorien wie der Kommunikativen P\u00e4dagogik, der Interaktionistischen P\u00e4dagogik, der Entwicklungsp\u00e4dagogik, der Evolutions- und Handlungstheoretischen Erziehungswissenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit den 1980er-Jahren ist die erziehungs- und bildungswissenschaftliche Theorielandschaft durch eine Pluralit\u00e4t von Ans\u00e4tzen und Konzepten gekennzeichnet. Neben den Weiterentwicklungen der Empirischen und der Kritischen Erziehungswissenschaft gibt es eine Gruppe von erziehungswissenschaftlichen Konzeptionen, die sich auf andere geistesgeschichtliche Traditionslinien au\u00dferhalb der P\u00e4dagogik st\u00fctzen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>die sich auf die Philosophie von Immanuel Kant beziehende transzendentalphilosophische und die praxeologische P\u00e4dagogik<\/li>\n\n\n\n<li>die an die Gesellschafts- und Geschichtstheorie von Karl Marx ankn\u00fcpfende materialistische P\u00e4dagogik<\/li>\n\n\n\n<li>die an die Arbeiten Sigmund Freuds anschlie\u00dfende Psychoanalytische P\u00e4dagogik<\/li>\n\n\n\n<li>die in der Tradition der Lebenswelttheorie von Edmund Husserl stehende Ph\u00e4nomenologische P\u00e4dagogik<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere Versuche, die Erziehungswissenschaft weiterzuentwickeln, beziehen sich auf zeitgen\u00f6ssische und internationale Theoriekonzeptionen aus den Nachbardisziplinen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>die Strukturalistische P\u00e4dagogik: st\u00fctzt sich auf linguistische und psychologische Entwicklungslinien<\/li>\n\n\n\n<li>die Poststrukturalistische Erziehungswissenschaft: kn\u00fcpft an die Machttheorie von Foucault an<\/li>\n\n\n\n<li>die Systemtheoretische Erziehungswissenschaft: wurde von Niklas Luhmann selbst angeregt<\/li>\n\n\n\n<li>die Konstruktivistische Erziehungswissenschaft<\/li>\n\n\n\n<li>die Reflexive Erziehungswissenschaft<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben diesen Theoriestr\u00f6mungen der Erziehungswissenschaft gibt es seit Beginn des letzten Jahrhunderts auch noch Erziehungslehren, wie z.B. die Waldorfp\u00e4dagogik oder die Montessorip\u00e4dagogik. Diese haben jedoch nicht den Status einer fundierten erziehungswissenschaftlichen Theoriekonzeption.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im weiteren Verlauf des Kapitels werden sechs Grundpositionen der Erziehungswissenschaft vorgestellt:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>die Geisteswissenschaftliche P\u00e4dagogik: verfolgt den Anspruch, die Erziehungswirklichkeit zu verstehen<\/li>\n\n\n\n<li>die Empirische Erziehungswissenschaft: will die Ph\u00e4nomene der Erziehungswirklichkeit erkl\u00e4ren<\/li>\n\n\n\n<li>die Kritische Erziehungswissenschaft: strebt eine gesellschaftskritische Analyse der Erziehungswirklichkeit an<\/li>\n\n\n\n<li>die transzendentalphilosophische P\u00e4dagogik: will der Erziehungswirklichkeit mit Prinzipien normative Vorgaben machen bzw. diese in neueren Varianten kritisch hinterfragen<\/li>\n\n\n\n<li>die Strukturalistische und Poststrukturalistische Erziehungswissenschaft: nimmt die latenten Tiefenstrukturen der Erziehungswirklichkeit in den Blick<\/li>\n\n\n\n<li>die Systemtheoretische und Konstruktivistische Erziehungswissenschaft: fragt danach, wie die Erziehungswirklichkeit hergestellt wird<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei werden jeweils die wichtigsten Vertreter*innen der jeweiligen Theoriestr\u00f6mung, die Entstehungszusammenh\u00e4nge und wissenschaftstheoretischen Bezugspunkte, die zentralen theoretischen und methodischen Grundannahmen, die jeweils in den Blick genommenen Aspekte des p\u00e4dagogischen Gegenstands- und Forschungsfeldes sowie Schwachpunkte und theoretische Weiterentwicklungen der verschiedenen Konzeptionen skizziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Abschluss bildet ein Ausblick auf verschiedene Varianten eines Theoriekonzepts einer Reflexiven Erziehungswissenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im f\u00fcnften Kapitel von Heinz-Hermann Kr\u00fcgers \u201eEinf\u00fchrung in die Erziehungs- und Bildungswissenschaft\u201c geht es um eine Bilanz und einen Ausblick auf die Herausforderungen der Erziehungswissenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den institutionellen Bedingungen und Herausforderungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Studierendenzahlen in den Bachelorstudieng\u00e4ngen steigen deutlich an.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Anzahl der Professuren ist in den vergangenen Jahren wieder leicht angestiegen, die der Mittelbaustellen sogar deutlich.<\/li>\n\n\n\n<li>Das Volumen der eingeworbenen Finanzmittel f\u00fcr Forschungsprojekte hat sich deutlich gesteigert.<\/li>\n\n\n\n<li>Es gibt viele verschiedene Hauptfachstudieng\u00e4nge mit unterschiedlichen Bezeichnungen, was Fragen hinsichtlich der Anschlussf\u00e4higkeit der Studieng\u00e4nge f\u00fcr Studierende aufwirft.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Anteil der Module f\u00fcr die Methodenausbildung ist in spezialisierten Studieng\u00e4ngen oft geringer.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Anzahl der bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingereichten Antr\u00e4ge ist seit Jahren stagnierend.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den theoretischen und methodischen Entwicklungen und zuk\u00fcnftigen Forschungsperspektiven:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Unterschied zu den ersten drei Nachkriegsjahrzehnten, in denen jeweils ein Paradigma mit seinen theoretischen Konzepten und methodischen Zug\u00e4ngen die Diskussion dominierte, ist die erziehungswissenschaftliche Theorie- und Methodenlandschaft seit den 1980er-Jahren bis zur Gegenwart durch eine Ausdifferenzierung und eine Pluralit\u00e4t von theoretischen Ans\u00e4tzen und damit verkn\u00fcpften methodischen Perspektiven gekennzeichnet. Man kann diese Entwicklung als Verlust von Einheit oder von dominanten Gro\u00dftheorien bedauern oder aber auch als Normalisierungsprozess im Wissenschaftssystem interpretieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die historische Entwicklung der Theorie- und Methodendiskurse kann auch als ein Aufschichtungsprozess gedeutet werden, in dem \u00e4ltere \u00dcberlegungen in j\u00fcngeren Konzepten aufgegriffen und konstruktiv weiterentwickelt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben dem Aufschichtungsprozess ist die historische Entwicklung auch als Geschichte von Positionsk\u00e4mpfen zu deuten, in denen es auch um Geld, Macht und Prestige geht. Dies l\u00e4sst sich an der aktuellen Debatte um die empirische Bildungsforschung illustrieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn eine Reihe von empirischen Indikatoren f\u00fcr eine Expansion der neuen empirischen Bildungsforschung sprechen, ist es dennoch v\u00f6llig \u00fcberzogen, mit einem Blick auf die aktuelle Theorie- und Forschungslandschaft in der Erziehungswissenschaft von einer Aufk\u00fcndigung der Pluralit\u00e4t zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr eine kritisch orientierte Bildungsforschung stellen sich vor dem Hintergrund der aktuellen und zuk\u00fcnftig prognostizierbaren gesellschaftlichen und p\u00e4dagogischen Entwicklungen u.a. folgende zentrale Forschungsaufgaben:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Welche paradoxen Neben- und Folgeeffekte haben die von der neueren empirischen Bildungsforschung mit initiierten Bestrebungen zur Vermessung und Standardisierung der Bildungslandschaft?<\/li>\n\n\n\n<li>Wie wirkt sich die zuk\u00fcnftig erwartbare Expansion des P\u00e4dagogischen auf die Familie, die Geschlechterverh\u00e4ltnisse, die Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen sowie die Institutionen der Jugendhilfe aus?<\/li>\n\n\n\n<li>Wie wirkt sich der aktuelle Umbau des Bildungswesens auf die Verst\u00e4rkung oder den Abbau ungleicher Bildungschancen aus?<\/li>\n\n\n\n<li>Welche Konsequenzen hat der technologische Wandel und die damit einhergehende Digitalisierung f\u00fcr das Lernen in den verschiedenen Bereichen?<\/li>\n\n\n\n<li>Welche Folgewirkungen haben die Globalisierung und eine entfesselte Weltgesellschaft f\u00fcr das Bildungs- und Sozialwesen?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00fcnschenswert w\u00e4re es, in diesem Feld zuk\u00fcnftig auch st\u00e4rker international vergleichende Studien durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<div class=\"gsp_post_data\" \r\n\t            data-post_type=\"post\" \r\n\t            data-cat=\"erzwipaed\" \r\n\t            data-modified=\"120\"\r\n\t            data-created=\"1737625320\"\r\n\t            data-title=\"Zusammenfassung: Einf\u00fchrung in die Erziehungs- und Bildungswissenschaft\" \r\n\t            data-home=\"https:\/\/cibis.de\/blog\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eventuell schon aufgefallen: Ich habe aktuell grunds\u00e4tzlich etwas mit P\u00e4dagogik im weitesten Sinne zu tun. 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