NGZ Online: Fehden in der Rettungswache

Grevenbroich „Als Patient ist man echt gefährdet.“ Das ist die Meinung von Insidern, die die Zustände in der Grevenbroicher Rettungswache beklagen. Nachdem unlängst Kritik an den beengten Raumverhältnissen laut wurde, stehen nun die zwischenmenschlichen Beziehungen im Wachgebäude an der Parkstraße im Fokus.

Konkret: Zwischen Ehren- und Hauptamtlern soll die Chemie nicht mehr stimmen, es ist sogar von Sabotage die Rede. Die Klage wird anonym, hinter vorgehaltener Hand, geführt. Denn offiziell will sich niemand äußern – aus Angst um den Job.

Das Problem: Die hauptamtlichen Rettungskräfte fühlen sich von ihren ehrenamtlichen Kollegen gemobbt. So kursierten angeblich Emails unter den Freiwilligen, in denen kräftig gegen das Hauptamt gehetzt werde. Das gleiche passiere auf einer per Passwort geschützten Internet-Seite, zu der nur ein Teil des ehrenamtlichen Teams Zutritt habe.

Kinderkram? Nicht nur, denn: „Im Rettungswagen wurden bereits Kabel des Elektrokardiogramms (EKG) durchgeschnitten und ordnungsgemäß für den nächsten Einsatz wieder aufgerollt. Man wollte das Hauptamt auflaufen lassen“, heißt es. Und: „Das gleiche gilt für abgelaufene Medikamente, die in die Notfallkoffer der Hauptamtler gepackt wurden. Gefährlich.“

Andererseits führen auch die Berufs-Retter die Klage gegen die Ehrenamtler, die an Wochenenden und Feiertagen ihren Dienst versehen. Es gäbe Fahrer, die ortsunkundig seien, was im Notfall wertvolle Minuten koste. Zudem ist von freiwilligen Kollegen die Rede, denen es an Erfahrung mangele. Die „Kläger“ machen das an einem Beispiel fest. Ein Patient aus Hemmerden, der mit dem Rettungswagen zum Neusser Lukas-Krankenhaus transportiert werden sollte, sei wegen Unachtsamkeit beim Einladen von der Trage gefallen. Die Folge: Prellungen, Schürfwunden, Schulterbruch. Vorstände und Betriebsräte seien über solche und andere Vorfälle informiert worden, doch: „Es wird nichts unternommen“, heißt es.

Die vom Rotkreuz-Kreisverband Grevenbroich betriebene Rettungswache versorgt ein Gebiet von etwa 234 Quadratkilometern mit insgesamt 99 000 Einwohnern. Die Wache ist nicht nur für die Stadt Grevenbroich zuständig, sondern auch für die Gemeinden Rommerskirchen und Jüchen.

Betreiber der Rettungswache ist der Kreisverband Grevenbroich im Deutschen Roten Kreuz (DRK). Dessen Geschäftsführer, Karl-Heinz Brandofsky, hat vom Zwist zwischen Ehren- und Hauptamt gehört – doch: „Möglich, dass dort persönliche Fehden ausgetragen werden. Beweisen lässt sich das aber nicht. Denn wenn ich in die Rettungswache komme, ist alles angeblich in Ordnung. Es ist schwierig, das ganze nachzuvollziehen.“ Brandofsky geht davon aus, dass die freiwilligen Helfer gut geschult sind: „Wir investieren schließlich eine Menge Zeit und Geld in deren Ausbildung.“

Andererseits vermutet der DRK-Geschäftsführer aber auch, dass einige Hauptamtler zu große Erwartungen an das Ehrenamt hätten. Denn den Freiwilligen würde natürlich die Routine eines Rettungssanitäters fehlen, der täglich im Einsatz ist. Karl-Heinz Brandofsky stellt aber auch klar, dass eine Rettungswache ohne die ehrenamtlichen Mitarbeiter nicht auskomme: „Die Alternative wäre, neue Planstellen zu schaffen. Das aber würde die Kosten für das Gesundheitswesen erheblich in die Höhe treiben.“

Träger der Rettungswache ist der Rhein-Kreis Neuss – und dort signalisierte Sprecher Harald Vieten am Montag: „Wir nehmen die Sache sehr ernst, das Ordnungsamt wird recherchieren. Denn der Rettungsdienst muss funktionieren.“ Sollten sich die angeblichen Sabotageakte bewahrheiten, geht Vieten davon aus, „dass wir möglicherweise auch polizeilich dagegen vorgehen werden“. Schon am Montag forderte der Kreis einen Bericht vom DRK an.

[Quelle: ngz-online.de/public/…/nachrichten/445245]
[related Link: ngz-online.de/public/…]
[via: status6.de/?p=510]

www.Hypersmash.com

Paste here the URL to shorten:

Powered by cibis.de.

Archiv
Grad gelesen...


WordPress SEO fine-tune by Meta SEO Pack from Poradnik Webmastera