FR: Rettungsdienste warnen vor Notarzt-Lücke
Vor allem auf dem Land “haben viele Krankenhäuser schon echte Probleme”, Notdienste zu besetzen
Kassel. Der Deutsche Berufsverband Rettungsdienst (DBRD) warnt vor einer Notarzt-Lücke in Deutschland. Gerade in ländlichen Bereichen gebe es immer weniger Notärzte. “Der Ärztemangel schlägt auch in der Rettungsmedizin voll durch. Viele kleine Krankenhäuser haben schon echte Probleme, den Notdienst sicherzustellen”, sagte DBRD-Vize Bernhard Gliwitzky beim 23. Bundeskongress Rettungsdienst im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Kassel. “Das ist in den Ballungsräumen kaum ein Problem, in der Fläche dafür um so stärker.”
Gliwitzky forderte in diesem Zusammenhang mehr Kompetenzen für die Helfer. “Wenn sich jemand einen Fuß bricht und mit starken Schmerzen vor zwei Rettungsassistenten sitzt, dürfen die ihm offiziell nicht helfen. Nach geltendem Recht darf die Schmerzspritze erst der dazukommende Arzt geben. Das ist nicht nur weltfremd, sondern für den Patienten eine hohe Belastung. Und auch für den Helfer, der nicht helfen darf.”
Aus “Angst vor einer juristischen Grauzone” würden zudem viele Rettungsdienste Maßnahmen, die inzwischen toleriert werden, nicht erlauben. “Wir fordern da klare Regelungen, auch um ein Kompetenzgefälle zwischen den Bundesländern anzugleichen.”
Gleichwohl halte der Verband am Notarztsystem fest: “Die Notfallmedizin ist eine gemeinsame Sache zwischen Ärzten und Sanitätern. Allerdings soll der Arzt nicht mit Lappalien aufgehalten werden, sondern seine Stärke in den Fällen ausspielen, wo er gebraucht wird.”
Der Verband unterstütze den Vorstoß, die Ausbildungszeit für Rettungssanitäter von zwei auf drei Jahre auszudehnen. Es dürfe aber nicht um ein reines Aufblähen der Lehre gehen: “Ein Jahr mehr nützt nichts, wenn derjenige dann nicht mehr kann oder nicht mehr darf.” Unbefriedigend sei zudem, dass Rettungsassistenten ihre Ausbildung noch mit mehreren Tausend Euro selbst bezahlen müssten, während in anderen Lehrberufen ein Einkommen gezahlt werde. “Eine Vergütung ist das Ziel. Es darf dann aber nicht so kommen, dass die Rettungsassistenten in der Ausbildung als billige Arbeitskräfte missbraucht werden und erfahrene Sanitäter verdrängen”, sagte Gliwitzky. dpa
[Quelle: fr-online.de/...]
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