NZZ: Obdachlose Japaner schlafen in Internet-Cafés

Tokio, 7. Mai (Reuters) Takeshi Yamashita sieht nicht aus wie ein Obdachloser. Äusserlich hebt den Mann in Jeans und lässigem Marine-Shirt nichts von anderen jungen Leuten in Japans Hauptstadt Tokio ab. Doch Yamashita hangelt sich von Nebenjob zu Nebenjob – und schläft seit Wochen jede Nacht in einem Internet-Café. Der 26-Jährige gehört zu einer Gruppe verarmter Japaner, die sich im teuren Tokio weder Wohnung noch Hotelbett leisten können. Eine Nacht in einem Internet-Café mitten in der Stadt kostet hingegen nur zwischen 1400 und 2400 Yen – das ist für die so genannten «Freeter» (Japaner ohne geregeltes Einkommen) gerade erschwinglich. Tagsüber nimmt er Studentenjobs an. Nachts sitzt er in einer Kabine vor dem PC – surft im Netz, liest Comics, schläft in einem Stuhl.

Viele Internet-Cafés haben sogar Dusche und Mikrowelle. Dauergäste sind meist an den Taschen zu erkennen, die sie mit sich schleppen. Doch auch betrunkene Büroangestellte und junge Frauen in Stöckelschuhen übernachten vor dem PC, wenn sie die letzte Bahn verpasst haben.

[Quelle: nzz.ch/…/articleF5WLQ.html]