FR: Bank darf Großmarkthalle umbauen

Der Weg ist frei für die umstrittenen Eingriffe in das Frankfurter Kulturdenkmal Großmarkthalle. Im Römer-Planungs- ausschuss stimmte die Mehrheit der Parlamentarier nach heftiger Debatte zu, Teile abzureißen und den Bau zum Nutzen durch die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidend zu verändern.

Frankfurt – Stefan Majer sprach am Montagabend im Namen der Römer-Koalition für die Grünen, Jochem Heumann für die CDU. Majer nannte die Zustimmung zu den Umbauplänen nach dem Konzept der Wiener Architekten Coop Himmelb(l)au “eine der schwierigsten Entscheidungen überhaupt in der Geschichte der Fraktion”. Man tue sich “schwer, diesen Weg mitzugehen”. Der Fehler sei aber im Grunde da gemacht worden, wo beschlossen wurde, “die Halle zum Bürohaus umzubauen”.

Jochem Heumann führte aus: Die Großmarkthalle besitze heute keinen Eingang, kaum ausreichendes Tageslicht. Der vorgeschlagene Umbau stelle für die neue Nutzung “eine sehr überzeugende Lösung” dar. Im Übrigen erhalte die Stadt hier “eine Landmarke, die man im Fernsehen sofort mit Frankfurt verbindet”.

Dagegen hatten einige Bürger in der Bürgerfragestunde die Umgestaltung des fast 80 Jahre alten Gebäudes vehement angegriffen. Horst Schäfer, der sich als Oberbürgermeister-Kandidat der FAG zu Wort meldete, bekam viel Beifall für seine Einschätzung, hier handele es sich “um die allmähliche Zerstörung eines Denkmals, bis hin zur Unkenntlichkeit”. Auch die SPD-Fraktion hielt dagegen. Die Stadtverordnete Elke Tafel wollte von Absprachen zwischen dem Planungsdezernat und der Bank wissen, die bereits “von Anfang an” getroffen worden seien. Für ihren Kollegen Klaus Oesterling ist die Entwicklung “ein Trauerspiel erster Ordnung”. Noch am 29. Juni hätten CDU und Grüne einen Antrag vorgelegt, dem zufolge die sogenannten Annexbauten nicht angetastet werden dürften. Lothar Reininger von Die Linke/WASG verstärkte die Stimmen der Opposition: “Hier wird Stück für Stück gekatzbuckelt vor der EZB.”

Vor der Sitzung hatte die Europäische Zentralbank in der leeren, kalten Großmarkthalle den Römer-Planungspolitikern gezeigt, wie sie die Halle mit einem Doppel-Hochhaus zu ihrem künftigen Sitz komponieren will. Der Planungsausschuss war per Shuttle-Bus ins Ostend gebracht worden. Mitten in der Halle waren mehrere Modelle aufgestellt, die zeigen, wie der preisgekrönte Entwurf von “Coop Himmelb(l)au” seit Ende des internationalen Architekten-Wettbewerbs weiter entwickelt worden ist.

Modell des neuen EZB-Sitzes
+ Modell des neuen EZB-Sitzes (FR)
Beim Blick von der Südseite her fiel an dem Modell auf, wie wuchtig der aus zwei Scheiben zusammengesetzte, 180-Meter-Turm vom Main her vor dem langestreckten Elsaesser-Bau wirken wird. Die gerühmte Betonschalen-Fassade mit ihren Bögen verschwindet hinter der Doppelscheibe fast ganz. Einige weitere Bögen werden dem Riegel geopfert, den die Architekten diagonal über und durch den Altbau legen wollen.

EZB-Architekt Thomas Rinderspacher zeigte anhand von Lichtbildern den Römer-Fraktionen nur “einen derzeitigen Stand”, wie er unterstrich: “Wir befinden uns in der Vorplanung.”

Immer noch würden “verschiedene Varianten durchprobiert”, die Architekten hätten “unendlich viele Modell gebaut”. Dagegen hätte die Bauherrin EZB, die bis Ende 2011 vom Willy-Brandt-Platz umgezogen sein will, am liebsten nur “einen Vorschlag, der dann in Beton gegossen werden soll”, führte Rinderspacher aus.

Hallen-Westseite wird geopfert

Der Neubauteil, der nach jetzigem Plan das Kulturdenkmal diagonal durchschneiden wird, sollte zunächst als Parallelgebäude (“groundscraper”) zwischen Halle und Fluss gesetzt werden. Die jetzige Lage als Querriegel wird für vertretbar gehalten, weil ein Drittel der Großmarkthalle “im Krieg eingestürzt war”, erläuterte Rinderspacher. Nur die wieder aufgebaute (West-)Seite der 220-Meter-Halle werde dem Bügel geopfert, der die beiden langen historischen Fronten kantig durchbricht. Damit wollten die Wiener Architekten erreichen, dass “die neue Funktion nach außen dringt”.

Das Betonraster der Fassaden wird im jetzigen Planungsstadium erhalten, die kleinen Fenster in der Sockelzone sollen durch größere ersetzt werden, damit Banker und Besucher “wissen, wo sie sind”, meinte der Chefplaner. Im Moment kann man von drinnen nicht nach draußen schauen. Ein dreigeschossiger Konferenzbereich wird “schräg in die Halle reingeschoben”. Die Annexbauten, in denen zu Großmarktzeiten Sozialräume lagen, nannte der EZB-Chefplaner “sehr unglücklich an die Halle angefügt”. Hier wie überall sei der Bau “in schlechtem Zustand”.

[Quelle: FR online – Lokalnachrichten]
Claudia Michels/Claus-Jürgen Göpfert

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